Einsatz modernster Bohrtechnik zur Erschließung des Ölvorkommens

Der Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer ist ein besonders sensibler und geschützter Bereich. Durch zahlreiche Innovationen haben wir die Bohraktivitäten stets weiterentwickelt und eine Optimierung der Förderung erreicht – im Einklang mit der Natur.   

Insgesamt 20 Förderbohrungen erschließen die Lagerstätte in bis zu 3.000 Meter Tiefe. Die einzigartige Konstruktionsweise der Insel reduziert die Auswirkungen auf das Wattenmeer auf ein Minimum.

Gleichzeitige Bohrungen On- und Offshore

Die Lagerstätte wird seit dem Jahr 2000 zusätzlich von der Landstation Dieksand aus erschlossen. Dabei werden die sogenannten Extended-Reach-Bohrungen sehr weit über eine Länge von bis zu 9.275 Meter abgelenkt. Vier Kilometer verlaufen dabei durch den Büsumer Salzstock. Weltweit nehmen diese Bohrungen Spitzenpositionen ein. Die gleichzeitige Offshore- und Onshore-Entwicklung ermöglicht so eine optimale Förderung des Rohöls aus der Lagerstätte. 

Leistungsstarke Bohranlage

2005 wurde die Bohranlage T-150 – eine der modernsten Europas – auf der Bohr- und Förderinsel Mittelplate in Betrieb genommen. Rund 50 Millionen Euro wurden in die neue Bohranlage investiert, um die umweltschonende Förderung im Wattenmeer weiter zu verbessern. Die T-150 wird elektrisch angetrieben und verfügt über eine Gesamtleistung von 10.000 PS. Dieser emissionsfreie Antrieb ist besonders leise und optimal für den Einsatz im Wattenmeer geeignet. Bohrungen von bis zu 8.000 Meter Länge erschließen so problemlos das Ölvorkommen.

Das Stahlgerüst des 70 Meter hohen Bohrturms der Mittelplate ist mit Edelstahltrapezblechen verkleidet. Diese Verkleidung schützt Mitarbeiter und die Bohranlage vor Wind und Wetter. Auch werden die Geräusch- und Lichtemissionen durch die Ummantelung deutlich verringert und so Störungen der Umwelt weiter reduziert.

2005 wurde die Bohranlage T-150 in Betrieb genommen
Der elektrische Antrieb verfügt über eine Gesamtleistung von 10.000 PS
Mit der T-150 sind Bohrungen von bis zu 8.000 Meter Länge problemlos möglich
Auf der Arbeitsbühne der Bohranlage
Blick in den 70 Meter hohen Bohrturm
2010 wurde der Bohrturm mit Edelstahltrapezblechen verkleidet
Die Ummantelung verringert Geräusch- und Lichtemissionen

High-Tech Bohrungen

Zur Erschließung der Öllagerstätte setzen wir unter anderem auf Multilateralbohrungen. Bei einer Multilateralbohrung wird für mehrere Produktionsstränge nur ein Bohrloch benötigt. Aus einer fertig niedergebrachten Bohrung, dem Mutterbohrloch,  wird ein abzweigendes Loch gebohrt, der sogenannte Lateralast. Von dem Mutterbohrloch können auch mehrere dieser abzweigenden Äste gebohrt werden – daher die Bezeichnung „multilateral“. Da nur noch ein Bohrloch benötigt wird, um mehrere Lagerstättenbereiche zu erreichen, spart der Einsatz dieser Technik Platz auf der Bohr- und Förderinsel Mittelplate und minimiert gleichzeitig den Eingriff in die Umwelt.

Damit das Öl in das Förderrohr gelangen kann, muss perforiert werden: Im unteren Bereich der Bohrung werden dabei kleine Löcher in das Rohr, den Zementmantel und in das umliegende Gestein geschossen. Diese Löcher ermöglichen den Zufluss des Öls ins Förderrohr. Je länger die Strecke ist, auf der man durch Perforation den Zufluss öffnet, desto ergiebiger ist die Förderung.

Bisher brachten wir vier Multilateralbohrungen in das Mittelplate-Feld nieder. Dabei handelte es sich jeweils um Multilateralbohrungen mit zwei Fördersträngen, sogenannte Duolateralbohrungen. Die 2010 niedergebrachte Bohrung A23 war dabei Deutschlands erste Multilateralbohrung. 2015 konnte die Duolateralbohrung A26, bestehend aus einer 6.100 Meter langen Hauptbohrung und einem abzweigenden Ast von 1.500 Meter Länge, fertiggestellt werden. Die Fertigstellung der technisch anspruchsvollen Bohrung mit einer Rekord-Perforationsstrecke von 2.461 Metern dauerte rund 10 Monate und kostete einen Betrag im zweistelligen Millionenbereich.